Modellierung intermodaler Mobilität

Welche Auswirkungen auf das Verkehrssystem sind zu erwarten, wenn in Zukunft mehr Menschen intermodal unterwegs sind? Wird der Verkehr dadurch effizienter? Gibt es mehr oder weniger Stau? Reduziert dies die Emissionen? Könnte Intermodalität einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten? Welche Rolle spielt die Ausstattung eines Stadtgebietes mit intermodalen Mobilitätsoptionen bei der Wohnstandortwahl? Welche neuen Anforderungen an den städtischen Raum sind damit verbunden? Um diese Fragen beantworten zu können, werden im Projekt Simulationsprogramme weiterentwickelt und angewendet, sowohl um die aktuelle Verkehrssituation abzubilden als auch um die Auswirkungen zukünftiger Entwicklungen zu prognostizieren.

Die Schwerpunkte liegen hier auf der Entwicklung von Modellen zur Abbildung und Bewertung intermodaler Wege, der Umstiegspunkte, sowie der Standortwahl von Personen. Die aus Datenanalysen sowie aus Daten der projekteigenen empirischen Studie gewonnenen Erkenntnisse zu intermodalem Mobilitätsverhalten werden für die Erweiterung von drei am DLR entwickelten Simulationsprogrammen genutzt. Das Programm „TAPAS“ („Travel Activity Patterns Simulation“) berechnet die Mobilität der Bevölkerung einer Region, wobei jede Person einzeln abgebildet wird. TAPAS berechnet für jedes dieser Individuen einen Tagesplan, der aus an unterschiedlichen Orten stattfindenden Tätigkeiten sowie den Wegen bzw. Fahrten zwischen diesen besteht. Anhand der individuellen Mobilitätsoptionen eines jeden Individuums werden hierbei auch die genutzten Verkehrsmittel ausgewählt. Das Simulationsprogramm „SUMO“ („Simulation of Urban Mobility“) nutzt die durch TAPAS erzeugten Fahrtenlisten um den Verkehrszustand zu erhalten, der sich aus der Gesamtheit der gleichzeitig stattfindenden Fahrten ergibt. Hierfür berechnet SUMO die Fortbewegung aller Fahrzeuge und Personen innerhalb des Verkehrsnetzes sekundengenau. Neben verkehrlichen Kenngrößen wie Durchschnittsgeschwindigkeiten oder Reisezeiten kann SUMO auch den Schadstoffausstoß der simulierten Fahrzeuge berechnen. Das dritte Programm, „SALSA“ („Simulating Location Demand and Supply in Urban Agglomerations“), bestimmt unter Nutzung verkehrlicher Faktoren die Wahl eines Wohn- oder eines Firmenstandortes.

Im Zusammenspiel ermöglichen die Simulationsprogramme des DLR Aussagen zum Wechselspiel von Verkehrsmittelangebot, Standortwahl und Verkehrsaufkommen in einer Stadt. So können beispielsweise mögliche Auswirkungen veränderter Angebote wie z.B. Car- & Bikesharing oder neuer S-Bahn-Linien prognostiziert werden. Die so erhaltenen Vorhersagen sollen die Grundlage für den Austausch mit Akteuren aus der Praxis (z.B. Stadt- und Verkehrsplanern) bilden und Impulse bei der Wahl von Maßnahmen zur Verbesserung der städtischen Mobilität geben.

Ansprechpartner zu diesem Themenfeld:

Dipl.-Informatiker Daniel Krajzewicz
E-Mail: Daniel.Krajzewicz@dlr.de

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